„Gift“ (tatort Episode 42, 1974)

Eigentlich ein »Trimmel« -tatort

(C) tvspielfilm.de / NDRDie Folge 42 aus dem Jahr 1974 ist eigentlich eine Folge, die dem NDR-Kommissar Trimmel zugerechnet wird. Da die in den Fall involvierten Personen aber sowohl aus Hamburg, als auch aus Kiel stammen, tritt neben dem ermittelnden hamburger Kommissar Trimmel auch der kieler Kollege Finke – sozusagen in Amtshilfe –  in Erscheinung.

Die Story bewegt sich dabei zwischen Umweltschutz, Wirtschaftskriminalität und Beziehungsdrama:

Auf einer Schutthalde entdecken spielende Kinder einen Toten. Beim gründlichen Absuchen der Fundstelle stoßen die Kriminalbeamten um Hauptkommissar Paul Trimmel auf eine Reihe von Giftfässern. Die erste Spur weist zum nahen Hamburger Unternehmen „Toxex“, das den gefährlichen Industrieabfall vernichten sollte, die zweite zur Kieler Firma „Metallin“, aus deren Produktionsstätten er stammt.

Aus dem Polizeilabor kommt der Befund: Der Ermordete von der Müllkippe wurde mit einem schweren Colt erschossen. Die Durchsuchung seiner Taschen fördert nur einen Hinweis ans Licht, einen Zettel mit dem Namen Annika Boll. Eine Frau mit diesem Namen wird in Kiel vermißt. Kommissar Finke findet heraus, daß sie bei der „Metallin“ beschäftigt war.

Diese Feststellung erhärtet den Verdacht der Kriminalbeamten: Zwischen dem Mord und dem krassen Fall von Umweltverschmutzung besteht eine Verbindung. Als Trimmel Mitarbeiter Petersen die „Toxex“-Chefin Susanne Knabe verhört, erfährt er, daß sie von einer Geschäftsreise nach Amerika einen Colt mitgebracht hat. Sie will ihn an Dr. Stephan, den Chef der „Metallin“, verkauft haben.

Fieberhaft ermitteln jetzt die Kriminalisten in Hamburg und Kiel. Ehe sie das Knäuel der Spuren entwirrt haben, finden sie noch einen zweiten Toten und weitere Fässer mit Giftmüll. Das gibt ihnen neue Rätsel auf: Hat der Mörder des Unbekannten vom Schuttplatz auch den zweiten Mann erschossen? Und wen trifft die Schuld am leichtfertigen Umgang mit dem Gift für die Welt?

Quelle: tatort-fundus.de | Link

Die Hamburg-Kiel-Connection

Immer wieder tauchen in den NDR-Produktionen aus beiden Städten Verweise auf die jeweils andere Stadt auf – mit Bezug zum ermittelnden Kommissar, oder ohne.

Bei »Gift« gibt es eine Co-Ermittlung, bei der beide Kommissare gemeinsam auftauchen, schon vorher, in »Blechschaden« taucht Kommissar Trimmel auf, der in Amtshilfe für Finke in Hamburg ermittelt. Dabei handelte es sich um einen klassischen „Gastauftritt“, zu denen ich »Gift« nicht zählen würde.

Auch in den 1980er Jahren zieht es Trimmels Nachfolger Stoever zum Ermitteln in der Folge »Pleitegeier« (208) nach Kiel. Mangels Finke-Nachfolge konnte man hier schlecht einen Gastauftritt platzieren, also fuhren „Brocki“ und Stoever kurzerhand selbst nach Kiel.

Die Drehorte

Hierzu ist wenig bekannt. Die Deponie wird eine der zahllosen Deponien am Hamburger Stadtrand gewesen sein, der Parkplatz im Wald könnte tatsächlich – wie im Film behauptet – an der B4 gewesen sein, die bis zur Fertigstellung der durchgehenden A7  die Hauptstrecke für den Verkehr zwischen Hamburg und Kiel gewesen ist.

Allerdings wurde die Episode im Jahr 1974 erstausgestrahlt, die A7 war zumindest zwischen dem Nordwesten Hamburgs bis Jagel (inkl. Abzweig nach Kiel) seit den Segelwettbewerben der Olympischen Sommerspiele 1972 durchgehend befahrbar, eine Benutzung der B4 zur Fahrt nach Hamburg wäre also eigentlich unpraktisch, da weiter und mit längerer Fahrtzeit verbunden. Darüber hinaus wäre es noch möglich, dass ein Streckenabschnitt der B4 im Süden Hamburgs (Richtung Lüneburg) gemeint war, was durchaus zu den Deponien im Süden / Südosten Hamburgs passen würde.

Wie immer gilt auch hier: sachdienliche Hinweise bitte an eines unserer Aufnahmestudios!